Ausweis für die Brieftasche.
Ein Organspendeausweis kann Leben retten: Herzenswünsche bietet jetzt den Ausweis kostenlos an - „Pro Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil es an Spenderorganen fehlt, wir haben deswegen schon Kinder verloren“, erläutert Herzenswünsche-Vorsitzende Wera Röttgering das Engagement bei der Verbreitung der Dokumente im Scheckkartenformat. „Viele“, weiß sie aus Erfahrung, „wären gerne Spender, wissen aber nicht, wie einfach das geht." Es genüge, die Karte auszufüllen, mit der man sein Einverständnis zur Entnahme von Organen nach dem Tod erkläre und diesen Ausweis dann immer bei sich trage.
> Ein Organspendeausweis kann Leben retten.
Interview mit Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Transplantationsbeauftragter des Universitätsklinikums Münster
„Als Transplantationsbeauftragter des Universitätsklinikums Münster ist Prof. Dr. Hartmut Schmidt zu unserem kompetentesten Ansprechpartner und Berater für alle Fragen der Organspende geworden“, betont Helmut Foppe, Vorstandsmitglied bei „Herzenswünsche“ e. V. Der gemeinsame, neugestaltete Organspendeausweis im stabilen Scheckkartenformat mit einer ersten Auflage von 35 000 Exemplaren ist bereits vergriffen. Eine weitere Auflage mit dem Deutschen Herzzentrum in Berlin liegt vor. Weitere Interessenten wie die Charité und das Clemenshospital in Münster wollen den Ausweis mit ihrem Logo versehen und verteilen.
Was bewirkt der Organspendeausweis?
Prof. Schmidt: Der Ausweis ist optisch ein ‚Hingucker’, er regt zur Diskussion an. Ziel ist, eine Stimmung zum Mitmachen zu bewirken: „Warum spendest Du nicht auch?“ Überregionale Veranstaltungen wie sie „Herzenswünsche“ e. V. plant sind unerlässlich, um die Diskussion zu diesem lebenswichtigen Thema in Familien hineinzutragen.
Warum ist es wichtig, seinen Willen zur Organspende zu dokumentieren?
Prof. Schmidt: Der Ausweis zeigt den persönlichen Wunsch eines Menschen, bereits zu Lebzeiten etwas festzulegen, was Angehörige im Falle eines Trauerfalls im Sinne des Verstorbenen entscheiden müssen.
Können Organe von Erwachsenen eigentlich auf Kinder transplantiert werden?
Prof. Schmidt: Ja, das ist möglich. Es fehlen Organe für Kinder, deshalb werden auch Organe von Erwachsenen für die Transplantation von Kindern verwendet. Eine Altersgrenze für ein Organ zur Transplantation bei Kindern existiert nicht.
Was halten Sie derzeit für das vorrangige Ziel bei der Transplantation von Kindern?
Prof. Schmidt: Kinder sollten keinerlei Wartezeit auf ein lebensrettendes Organ haben. Wenn es uns nicht gelingt, die Wartezeit auf eine Transplantation für Kinder deutlich zu verkürzen, dann müssen Gesetze dies regeln. Wie in Frankreich, wo Kinder eine klare Priorität bei der Organspende haben. Je länger das chronisch kranke Kind wartet, desto stärker wird seine Entwicklung gebremst. Dies kann selbst nach erfolgreicher Transplantation nicht aufgeholt werden.
Wie lange warten Kindern mit den unterschiedlichen chronischen Erkrankungen aktuell auf ein Spenderorgan?
Prof. Schmidt: Im Falle eines Nierenversagens wartet ein Kind circa drei Jahre auf eine Nierentransplantation – Ende 2007 standen 89 nierenkranke Kinder auf der Warteliste. In gewissen Fällen kann eine Lebendspende z. B. bei der Nierentransplantation oder die Entnahme einer Leberhälfte für eine Lebertransplantation verwendet werden. Diese alternativen Transplantationsverfahren rechtfertigen sich jedoch nur aus Gründen der Organknappheit.
Wie lange „hält“ ein Spenderorgan?
Prof. Schmidt: Prinzipiell hat ein Spenderorgan eine dauerhafte Funktion. Selbst Organe von Spendern im Alter von über 80 Jahren, können über Jahrzehnte hinweg noch ihre Funktion erfüllen. Ein wirkliches Zeitlimit für Spenderorgane besteht nicht.
Wie sieht nach einer Transplantation der weitere Weg eines Kindes mit einem Spenderorgan aus?
Prof. Schmidt: Die Erfolge in der Transplantationsmedizin zeigen, dass Kinder und Jugendliche wieder ein fast völlig normales Leben führen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt sind unvermeidlich, ebenso die Einnahme von Medikamenten. Organspende ist die Chance auf ein neues Leben.
Wenn Sie sich weiterführend über das Thema Organspende informieren wollen, finden Sie auf der Internetseite unseres Partners, dem Universitätsklinikum Münster, alle zentralen Informationen zu diesem Thema:
> Helmut Foppe und Prof. Dr. Hartmut Schmidt
> Oliver und Christian haben eine neue Niere

