Husky-Touren:
Rehabilitation nach der Krebstherapie

Ein Abenteuer der besonderen Art erleben krebskranke Jugendliche auf Husky-Schlittentouren in Skandinavien. Fernab von der Zivilisation machen sie mit dem erfahrenen Schlittenhundeführer Jochen Mendel und seinen Huskys besondere Erfahrungen. „Herzenswünsche" e.V. unterstützt das Projekt seit 2004.

Die Husky-Tour ist eine tiergestützte Therapie für Menschen mit schweren körperlichen Erkrankungen, die das Vertrauen in den eigenen Körper und seine Leistungsfähigkeit verloren haben. Die Erkenntnis, dass man trotz der Erkrankung zu körperlichen Höchstleistungen fähig ist, ist ein wesentlicher Teil der Rehabilitation.

Julia erinnert sich: „Den Schlitten eigenständig zu lenken, war ein so einmaliges Erlebnis. Wir alle kehrten von diesen Touren mit größerem Selbstbewusstsein und einem noch größeren Strahlen im Gesicht zurück. Das, was wir auf der Tour erleben durften, war einmalig, und wir alle hätten es uns am Anfang nicht zugetraut. Wir werden daran immer sehr gerne zurück denken, um Kraft, Energie und Freude zu tanken."

Onkologisch erkrankte Kinder und Jugendliche erleben durch die diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, die im Rahmen ihrer Krankheit erforderlich sind, immer wieder schwere körperliche "Verletzungen" wie Punktionen, Injektionen und Operationen. Durch die Chemotherapie und ihre Nebenwirkungen erleben sich die Jugendlichen und ihren Körper als krank, schwach, defizitär und "untauglich". Das Vertrauen in sich und in die Vitalität ihres Körpers ist zerstört. Die Husky-Tour soll für die Jugendlichen nach Abschluss der Therapie die Möglichkeit eröffnen, sich und ihren Körper als wieder belastbar, kompetent und "lebenstauglich" zu erleben. Das Projekt verbindet drei bekannte Prinzipien der Reha: Tiergestützte Therapie, Naturerlebnisse & das Erleben in der Gruppe.
 



Für den sechsjährigen Sid und seine Familie war die Zeit in Schweden ein Neuanfang. Seine Mutter schrieb:

Bei meinem Sohn Sid wurde 2017 Leukämie diagnostiziert. Damals ist für unsere Familie eine Welt zusammengebrochen - für uns Eltern, aber auch für Sids 1,5 Jahre älteren Bruder. Bedingt durch die Chemo hatte Sid Nervenschädigungen in den Beinen und konnte sich ohne fremde Hilfe und den Rollstuhl nicht mehr bewegen. Er wurde ein komplett anderes Kind: Aus dem ehemals lebenslustigen, aktiven Jungen, wurde ein in sich gekehrter kleiner Mensch. Die Zeit der Intensivchemo war der reinste Horror. Unsere Familie wurde auseinandergerissen. Sid musste Unglaubliches ertragen und leisten. Von einem Tag auf den nächsten wurde ihm die Kindheit geraubt.

Sid liebt Tiere und ganz besonders Hunde. Sein Herzenswunsch: eine Husky-Tour in Schweden. Im März 2018 war es dann soweit – wir reisten in die vereiste und wunderschön zugeschneite Landschaft Schwedens. Was dann in den nächsten sechs Tagen passierte, lässt sich kaum in Worte fassen. Zu sehen, wie mein Sohn, der ein Jahr zuvor beinahe gestorben wäre, monatelang im Rollstuhl saß und sich körperlich nichts mehr zutraute, auf einmal alleine einen Husky-Schlitten lenkt, war so unglaublich und so unbeschreiblich schön. Zu sehen, dass mein Sohn, der 10 Monate nicht baden konnte, weil er einen Katheter trug, vergnügt im Hot Pot lag, war ein Gefühl, das sich nicht in Worte fassen lässt. Es trieb mir die Freudentränen in die Augen. Die Tage waren wunderbar ausgefüllt: Schlittenfahrten, Iglus bauen, Schneeballschlachten, Schneeschuhwanderungen im Tiefschnee, Lagerfeuer. Nach einem Jahr, das wir mit Sid zumeist in der Klinik verbrachten, genossen wir alle die Natur und den Schnee. Die Zeit in Schweden hat Sid so viel Selbstvertrauen zurückgebracht. Er konnte wieder das sein, was er ist – ein Kind.

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